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22.10.2005
Quelle:
Aachener Zeitung / Aachener Nachrichten

Wie man die Erde zum Heizkörper macht

Mit Geothermie will die Stadt Eschweiler ihren Energiebedarf günstig und umweltschonend decken. In Eschweiler-Ost wird bald das erste Wohnhaus mit Erdwärme versorgt. Bei Erfolg werden wohl viele andere Gebäude folgen.

Von unserem Redaktionsmitglied René Benden

Eschweiler. Wäre es nicht ein Traum, wenn man einen Großteil der Wärme, die man zum Heizen seiner Wohnung braucht, einfach so wie Wasser aus dem Boden zapfen könnte? Man müsste sich keine Sorgen mehr machen über die stets steigende Heizkostenabrechnung. Ganz zu schweigen davon, dass man der Umwelt noch einen riesigen Gefallen tun würde, weil man endliche Rohstoffe wie Öl oder Gas nicht länger für den eigenen häuslichen Bedarf Anspruch nehmen würde.

Das Beste an diesem Traum ist, dass die Stadt Eschweiler derzeit versucht, ihn in groben Zügen Realität werden zu lassen. Bei der Sanierung der städtischen Wohnungen an der Moselstraße in Eschweiler-Ost geht man ganz neue Wege: Dort werden geothermische Heizungen in die Mehrfamilienhäuser eingebaut. Das System funktioniert einfach: Mit einem großen Bohrer treiben die Bauarbeiter rund 90 Meter tiefe Löcher in den Boden. Darin werden später Leitungen verlegt, durch die ein Wasser-Frostschutz- Gemisch läuft. In 90 Meter Tiefe wird dieses Gemisch durch die Erdwärme auf eine Temperatur von rund 12 Grad Celsius erwärmt. Eine Pumpe im Haus, die ähnlich funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank, erwärmt dieses Wasser weiter auf 30 Grad. Das reicht bereits aus, um die Fußbodenheizung in den Wohnungen zu speisen. „Wir brauchen weder zusätzliches Gas noch Öl. Einzig sechs Kilowatt Strom sind erfoderlich, um die Pumpe zu betreiben“, sagt Winfried Kuth, Geschäftsführer der Strukturförderungsgesellschaft Eschweiler.

Besonders reizvoll ist jedoch: „Ab einer Umweltwärmequote von über 75 Prozent wie hier entfällt die Heizkostenabrechnung“, sagt Ingenieur Heinz-Josef Osländer. Die Anwohner werden künftig eine Pauschale bezahlen. „Diese Pauschale soll stabil sein, damit wir diese Wohnungen über Jahre hinweg attraktiv halten“, ergänzt Winfried Kuth.

Also, Loch bohren, Erde anzapfen und billig heizen. Klingt doch simpel und gut. Das findet auch Bürgermeister Rudi Bertram, der nun prüfen lassen will, ob es nicht grundsätzlich günstig wäre, städtische Gebäude auf diese Art und Weise zu heizen. „Ich finde, das ist sehr innovativ. Fakt ist, dass die Ressourcen wie Öl und Gas endlich sind, und – je mehr sie sich dem Ende zu neigen – auch immer teurer werden. Geothermie scheint da nicht nur für die Kommune, sondern allgemein eine echte Alternative zu sein.“ Bleibt abzuwarten, wie Gaslieferanten wie das EWV auf diese Entwicklung reagieren, wenn tatsächlich mehr und mehr Haushalte auf Geo-thermie setzen. Bertram sieht dem gelassen entgegen: „Das ist auch für ein solches Unternehmen die Gelegenheit, sich zukunftsweisend zu positionieren.“

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